Als Privatier, also jemand, der seinen Lebensunterhalt nicht mehr durch Erwerbstätigkeit bestreiten muss, stellt sich die Frage nach der Krankenversicherung auf eine besondere Weise. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die für Angestellte mit einem Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze obligatorisch ist, haben Privatiers die Möglichkeit, sich privat zu versichern. Doch welche Kosten kommen dabei auf sie zu?

  1. Individuelle Faktoren spielen eine entscheidende Rolle: Die Kosten einer privaten Krankenversicherung (PKV) für Privatiers variieren stark und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählen das Eintrittsalter in die PKV, der gewählte Tarif, der Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss sowie optionale Zusatzleistungen.
  2. Eintrittsalter und Gesundheitszustand: In der Regel gilt: Je jünger der Versicherungsnehmer beim Eintritt in die PKV ist, desto niedriger sind die monatlichen Beiträge. Auch der Gesundheitszustand spielt eine Rolle. Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen führen.
  3. Tarifauswahl: Die Auswahl des Tarifs hat einen erheblichen Einfluss auf die Kosten. Basistarife sind in der Regel günstiger, bieten jedoch auch weniger Leistungen. Wer umfassend abgesichert sein möchte, wählt einen höheren Tarif mit entsprechend höheren Beiträgen.
  4. Selbstbeteiligung: Ein weiterer Einflussfaktor auf die Beitragshöhe ist die Höhe der Selbstbeteiligung. Je höher die Selbstbeteiligung, desto niedriger die monatlichen Kosten. Allerdings müssen Versicherte im Krankheitsfall mehr Kosten selbst tragen.
  5. Zusatzleistungen: Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung, Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus oder alternative Heilmethoden können die Kosten der PKV erhöhen. Privatiers sollten daher genau prüfen, welche Zusatzleistungen für sie relevant sind.
  6. Beitragshistorie und Wartezeiten: Die Beitragshistorie und eventuelle Wartezeiten aus Vorversicherungen können ebenfalls die Beitragshöhe beeinflussen. Positive Aspekte in der Gesundheitsgeschichte können zu Beitragsrabatten führen.
  7. Vergleich verschiedener Anbieter: Um die besten Konditionen zu finden, ist ein sorgfältiger Vergleich verschiedener Versicherungsanbieter unerlässlich. Online-Vergleichsportale können dabei eine hilfreiche Unterstützung bieten.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Kosten einer privaten Krankenversicherung für Privatiers individuell stark variieren. Eine sorgfältige Planung und Beratung sind essenziell, um die optimale Absicherung bei vertretbaren Kosten zu gewährleisten. Es empfiehlt sich, regelmäßig die Versicherungssituation zu überprüfen und gegebenenfalls Tarife anzupassen, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können.

Versicherungspflicht in der der Krankenversicherung

In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht, was bedeutet, dass jeder, der hier lebt, entweder in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder privaten Krankenversicherung (PKV) versichert sein muss. Doch was passiert, wenn du über kein oder nur ein geringes Einkommen verfügst? Hier erfährst du, welche Regelungen für Menschen ohne Einkommen gelten und wer die Beiträge übernimmt.

Krankenversicherung ohne Einkommen – Wer betrifft es?

Die Realität, ohne Einkommen dazustehen, betrifft nicht nur Menschen, die arbeitslos sind. Verschiedene Gruppen von Menschen können entweder gar kein eigenes Einkommen haben oder temporäre Verdienstausfälle erleben. Hierzu zählen:

  • Kinder
  • Studierende
  • Arbeitslose
  • Hartz IV-Empfänger
  • Geflüchtete und Asylsuchende
  • Hausfrauen und Hausmänner
  • Selbstständige
  • Privatiers

Trotz fehlendem oder geringem Einkommen besteht für diese Gruppen die Verpflichtung, sich krankenversichern zu lassen. Im Folgenden erfährst du, wie sich dies für jede spezifische Personengruppe gestaltet.

Kinder

Kinder und Jugendliche haben üblicherweise bis zu einem bestimmten Alter kein eigenes Einkommen. Für sie gilt eine einfache Regel: Sie sind automatisch in der gesetzlichen Familienversicherung versichert, wenn beide Elternteile gesetzlich versichert sind oder das Elternteil mit dem höheren Einkommen in der GKV ist.

In der privaten Krankenversicherung sieht es anders aus. Sind beide Eltern privat versichert oder ist das Elternteil mit dem höheren Einkommen privat versichert, benötigt auch das Kind eine eigene private Krankenversicherung. Alternativ ist eine freiwillige Versicherung in der GKV möglich.

Eine Ausnahme besteht, wenn die Eltern nicht verheiratet sind und in zwei verschiedenen Versicherungen (GKV und PKV) versichert sind. In diesem Fall können die Eltern die Krankenversicherung des Kindes selbst wählen.

Studierende

Für Studierende gibt es spezielle Regelungen. Bis zum 25. Lebensjahr können sie in der Regel über die Familienversicherung versichert bleiben, sofern die Eltern gesetzlich versichert sind. Alternativ besteht die Möglichkeit, sich als Studierender in der studentischen Krankenversicherung zu versichern.

Arbeitslose

Menschen, die arbeitslos werden, bleiben in der Regel in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Die Beiträge übernimmt in der Regel die Agentur für Arbeit. Für Personen über 55 Jahre und mit langer Versicherungsdauer kann der Bezug von Arbeitslosengeld I den Versicherungsschutz aufrechterhalten.

Hartz IV-Empfänger, Geflüchtete und Asylsuchende

Personen im Bezug von Hartz IV sowie Geflüchtete und Asylsuchende sind über die gesetzliche Krankenversicherung abgesichert. Die Kosten werden in der Regel vom Jobcenter bzw. Sozialamt übernommen.

Hausfrauen und Hausmänner, Selbstständige, Privatiers

Hausfrauen und Hausmänner können sich im Rahmen der Familienversicherung versichern, sofern der Partner gesetzlich versichert ist. Selbstständige und Privatiers, die über ausreichendes Vermögen verfügen, müssen die Krankenversicherungsbeiträge selbst tragen. Alternativ ist eine Mitversicherung über den Ehepartner denkbar.

Es ist wichtig, die spezifischen Regelungen für jede Gruppe zu kennen, um auch ohne klassisches Arbeitseinkommen den angemessenen Krankenversicherungsschutz zu gewährleisten. Bei Unsicherheiten bietet eine individuelle Beratung durch die Krankenkasse wertvolle Informationen.

Studierende ab 25 Jahren

Wenn du noch studierst und kein oder nur ein geringes Einkommen (bis 520 Euro monatlich) hast, ermöglicht die Familienversicherung bis zu deinem 25. Lebensjahr eine Absicherung. Danach tritt die Pflicht zur eigenständigen Krankenversicherung ein. Studierende in Ausbildung profitieren nicht von diesem Familienversicherungsbonus. Sobald Einkünfte erzielt werden, besteht die Verpflichtung zur eigenen Krankenversicherung.

Selbstständige mit vorübergehenden Einkommenseinbußen

Selbstständige, die temporäre Einkommenseinbußen verzeichnen, können staatliche Unterstützung beantragen. Falls diese aufgrund zu hoher Vermögenswerte verweigert wird, besteht die Möglichkeit als privat Versicherter den Beitrag zu reduzieren. Ein Wechsel in den Basistarif könnte hier eine Option sein. Bei einer freiwilligen GKV-Versicherung besteht die Möglichkeit einer kostenfreien Mitversicherung über ein Familienmitglied.

Empfänger von Bürgergeld (Hartz IV)

Empfänger von Bürgergeld (Hartz IV) sind in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, wobei der Träger der Grundsicherung die Krankenversicherungsbeiträge übernimmt. Seit 2016 müssen Hartz-IV-Empfänger individuell versichert sein, eine Familienversicherung entfällt. Mit der Einführung des Bürgergeldes im Jahr 2023 ändert sich dies nicht – der Staat bleibt für die Krankenversicherungskosten verantwortlich.

Arbeitslose mit Arbeitslosengeld I

Arbeitslose, die Arbeitslosengeld I beziehen, haben ihre Sozialversicherungsbeiträge vom Staat oder Jobcenter übernommen. In den meisten Fällen sind sie automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Ein Wechsel in die PKV ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Menschen aus dem Ausland – Flüchtllinge – Geflüchtete

Die Krankenversicherung für Ausländer in Deutschland hängt vom individuellen Status ab. Geflüchtete und Asylsuchende erhalten nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst keine Krankenversicherung, haben jedoch Anspruch auf notwendige medizinische Versorgung. Die gesetzliche Krankenversicherung tritt nach 15 Monaten ein, wobei der Staat die Beiträge bis zur vollständigen Integration übernimmt.

EU-Bürger, die sich für längere Zeit in Deutschland aufhalten, müssen sich nicht zusätzlich in Deutschland versichern. Die Krankenversicherung aus dem Heimatland ist ausreichend. Nicht-EU-Bürger benötigen in der Regel vor der Einreise eine Krankenversicherung in Deutschland, um ein Visum zu erhalten.

Mindestbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ohne Einkommen

Für die Berechnung des Mindestbeitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung wird ein fiktives Mindesteinkommen herangezogen, auch wenn kein tatsächliches Einkommen vorhanden ist. Ab 2023 liegt dieses Mindesteinkommen bei monatlich 1.131,67 Euro. Dazu kommen der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent und der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkasse.

Private Krankenversicherung bei (vorübergehendem) Verdienstausfall

Wenn du bereits privat versichert bist und vorübergehend oder dauerhaft kein Einkommen mehr hast, musst du die Situation genau prüfen. Eine Rückkehr in die GKV ist unter bestimmten Bedingungen möglich, beispielsweise wenn du jünger als 55 Jahre bist.

In einigen Fällen musst du auch ohne Einkommen privat krankenversichert bleiben:

  • Du bist älter als 55 Jahre und dein Einkommen fällt vorübergehend weg. In diesem Fall ist ein Wechsel zurück in die GKV nicht möglich, aber du könntest in den kostengünstigeren Basistarif wechseln.
  • Du bist jünger als 55 Jahre, warst aber in den letzten fünf Jahren privat versichert. Dann musst du privat versichert bleiben.
  • Du bist privat versichert und verlierst beispielsweise deinen Job, wodurch du auf Hartz IV angewiesen bist. In diesem Fall übernimmt das Jobcenter deine Beiträge.

Wenn du ohne Einkommen nicht mehr in die PKV wechseln kannst, besteht die Möglichkeit, die Beiträge durch einen Tarifwechsel zu reduzieren. Der Basistarif ist kostengünstiger, bietet aber auch weniger Leistungen.

Krankenversicherung ohne Einkommen – Wer übernimmt die Beiträge?

Die deutsche Krankenversicherungspflicht erfordert, dass du entweder gesetzlich oder privat versichert bist, was mit Kosten verbunden ist. Wenn du kein eigenes Einkommen hast, gibt es jedoch in vielen Fällen Unterstützung bei den Beitragszahlungen. Alternativen können sein:

  • Kostenübernahme durch das Jobcenter (Arbeitslosengeld oder Grundsicherung, wenn du arbeiten könntest, aber beispielsweise keinen Job findest).
  • Kostenübernahme durch eine Familienversicherung.
  • Kostenübernahme durch eine Mitversicherung über den Ehepartner.

Privatiers mit ausreichendem Kapital müssen ihre Beiträge selbst tragen, und die Beurteilung, ob genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, liegt im Ermessen des Staates.

Krankenversicherung ohne Einkommen – Privat oder gesetzlich versichern?

Die Möglichkeit, ohne Einkommen in der privaten Krankenversicherung zu bleiben, ist nicht immer gegeben. Bei Inanspruchnahme staatlicher Hilfe endet diese Option in vielen Fällen, und eine gesetzliche Krankenversicherung wird zur Pflicht.

Es ist ratsam, die Vor- und Nachteile der beiden Versicherungsarten abzuwägen und die Finanzierung der Beiträge zu berücksichtigen. Weitere Informationen zu den Kosten der PKV finden sich im entsprechenden Ratgeber.

Zusammenfassend verdeutlicht der Text, dass es in Deutschland vielfältige Wege gibt, auch ohne klassisches Arbeitseinkommen den angemessenen Krankenversicherungsschutz zu gewährleisten. Bei Unsicherheiten bietet eine individuelle Beratung durch die Krankenkasse wertvolle Informationen.