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Das neue Jahr steht in den Startlöchern und wird zahlreiche Änderungen in der Krankenkassenlandschaft mit sich bringen. Es stehen zahlreiche Fusionen an als Reaktion auf steigende Gesundheitskosten. Bereits in den vergangenen Jahren kam es schon immer mal wieder zu Zusammenschlüssen von Krankenkassen. Für das nächste Jahr sollen vier Fusionen umgesetzt werden. Das zieht eine Beschleunigung des vorherrschenden Trends in der Krankenkassenbranche nach sich. Häufig wird fälschlicherweise der demografische Wandel als Hauptgrund für die Zusammenschlüsse angenommen. Sicher treibt der demografische Wandel auch die Kosten in die Höhe, er ist aber nicht der alleinige Grund. Auch der medizinische Fortschritt zieht eine Explosion der Kosten nach sich, da die Leistungsausgaben der Krankenkassen stetig steigen. Zudem ist festzustellen, dass in Großstädten zu viel behandelt und operiert wird. Es kommen pro Jahr etwa 18 Arztbesuche pro Einwohner auf die Krankenkassen zu. Nach Angaben des Sachverständigenrates für Gesundheit sitzen somit, rein rechnerisch, jeden Montagmorgen 8% der Bevölkerung beim Arzt. Ein weiterer Kostenfaktor sind die steigenden Honorare der Leistungserbringer. Ebenso erfordert die berufliche Spezialisierung der Berufe im Gesundheitswesen ein hohes Maß an Geld.

Welche Fusionen werden stattfinden?

Die steigenden Kosten führen nicht selten zu Zusammenschlüssen von Krankenkassen. Insbesondere kleineren Kassen bietet dieser Schritt die Möglichkeit nicht ganz unterzugehen und ihren Versicherten weiterhin einen Krankenversicherungsschutz bieten zu können. So wird es 2017 zu einer Fusion zwischen BKK Braun-Gilette und pronova BKK kommen. Bisher ist die BKK Braun-Gilette mit einem Zusatzbeitrag von 1,9 % die teuerste Krankenkasse am Markt. Diese wird nun ihren Abschied nehmen. Die pronova BKK ist ein Zusammenschluss der Betriebskrankenkassen der Großkonzerne BASF, Bayer, Ford, Continental und Hapag-Lloyd und verlangt zurzeit einen Zusatzbeitrag von 1,2 %. Inwieweit es nun zu einer Erhöhung des Zusatzbeitrags kommt, bleibt bisher abzuwarten. Zudem wurden die Fusionen von BKK VBU und Vereinigte BKK zur neuen BKK VBU und die energie-BKK mit der E.on BKK zur neuen energie-BKK angekündigt.

Zusammenschluss BARMER GEK und Deutsche BKK

Interessant wird auch der Zusammenschluss zum Ende des Jahres von der BARMER GEK und der Deutschen BKK zur neuen BARMER. Mit dieser Fusion avanciert die BARMER zur größten Krankenkasse Deutschlands und hängt, wenn auch nur knapp, die Techniker Krankenkasse ab. Beide Krankenkassen gehören dem Verband der Ersatzkrankenkassen (vdek) an. Die Techniker als auch die BARMER buhlen stets um die meisten Mitgliederzahlen. Zurzeit liegt die Techniker mit 7,3 Millionen zahlenden Mitgliedern vorn. Die BARMER weist eine Mitgliederzahl von 6,7 Millionen auf. Mit dem Zusammenschluss schnellt die Anzahl auf 7,6 Millionen in Höhe. Allerdings dürfte die BARMER diesen Vorsprung nicht halten können, da die Techniker Krankenkassen im Jahr 2016 einen Zuwachs der Mitgliederzahlen von etwa einer Viertel Millionen verzeichnet konnte. Die BARMER hingegen musste eine leichte Rückläufigkeit der Mitgliedsanzahlen hinnehmen. Des Weiteren erregt der Zusammenschluss der BARMER GEK mit der Deutschen BKK das Interesse, weil es sich hierbei um eine kassenartenübergreifende Fusion handelt und mit diesem Schritte eine der größten Kassen das BKK-System verlässt. Daraus wird eine Schwächung der politischen Einflussnahme des BKK-Systems resultieren. Im Falle von Insolvenzen im BKK-System wird die Last auf weniger Betriebskrankenkassen verteilt. Diese Mehrbelastungen könnten dazu führen, dass einzelne Kassen überfordert werden und weitere Schließungen folgen könnten. Es scheint so, dass dieser mögliche Domino-Effekt politisch durchaus angestrebt wird.

Experte David Matusiewiccz

Der Experte David Matusiewiccz ist Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Gesundheitsmanagement an der FOM Hochschule. Seit 2015 bekleidet er das Amt des Dekans des Hochschulbereichs Gesundheit & Soziales. Zeitgleich leitet er als Direktor das Forschungsinstitut für Gesundheit und Soziales. Als Gründungsgesellschafter des Essener Forschungsinstituts für Medizinmanagement (EsFoMed GmbH) und anhand seiner Tätigkeit in der Stabsstelle des Leistungscontrollings in der Gesetzlichen Krankenkasse ermöglichen David Matusiewiccz die angestrebten Fusionen aus Expertensicht zu beurteilen und zusammen zu fassen. Demnach wird es noch zu weiteren Konzentrationsprozessen im Jahr 2017 kommen. Die Zusatzbeiträge bleiben wohl erstmal stabil bei durchschnittlichen 1,1%, auch wenn man vorher mit einem Anstieg gerechnet hatte. Allerdings bleibt abzuwarten, ob diese Stabilität auch nach der Bundestagswahl weiterhin Bestand hat. Die eigentlichen Kosten für die Verwaltung im Gesundheitswesen liegen gerade mal bei 5%. Die anderen Kosten setzen maßgeblich sich durch Honorare, Service und Leistungen zusammen. Derzeit existieren rund 117 Krankenkassen deutschlandweit. Seit Jahren streitet die Fachwelt wie hoch die Anzahl der Krankenkassen tatsächlich sein sollte, bisher ohne Ergebnis. Es ist allerdings davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren weitere Zusammenschlüsse folgen werden.